Patterls Welt

Argentinien 28.September 2006 - 05.März 2007

Freitag, Oktober 20, 2006

Schoenes Wochenende

Hallo Ihr Lieben,

heute ist schon wieder Freitag, die Zeit rast und ich kann nicht glauben, dass ich heute vor 3 Wochen hier angekommen bin! Unglaublich.

Hier auch mal meine Daten in Cordoba fuer den Moment, wird sich aber in Buenos Aires nochmal aendern:

Bolivia 84, Bº Nueva Cordoba, Cordoba, Argentina
Festnetz ist: 0054 - 351 - 4118303.
Auf meinem Handy kann ich leider nur sms verschicken, leider aber nicht von auslaendischen Handys empfangen. Sms koennt Ihr mir aber trotzdem kostenlos schicken unter diesem Link: http://sms.personal.com.ar/Mensajes/msn.htm , als erste Nummer die 351 und als zweite die 6770435 eintragen - ist auch gratis und dauert nur 3-4 Stunden, bis ich die Nachricht erhalte ;-). (Ihr gebt unter "tu nombre" Euren Namen ein, "mensaje" heisst Nachricht, "limpiar" = loeschen und "enviar" = schicken.)
Angerufen werden kann ich auf dem Handy - sofern das Netz funktioniert - unter 0054-9-351-6770435, wie gesagt, ist aber nicht immer zuveralessig und auch ziemlich teuer glaube ich, also eher nur fuer Notfaelle ;-). Nach Deutschland anzurufen vom Handy aus oder Sms zu erschicken ist einigermassen teuer, werde mich also hauptsaechlich um andere Wege der Kommunikation bemuehen..
Die Post ist hier extrem unzuverlaessig, Sachen aus Europa kommen so gut wie nie an, aber dieses Medium scheint auch nicht wirklich oft genutzt zu werden, denn wir haben gar keinen Briefkasten am Haus.
So, heute abend geht¨s zu einem Folklore-Konzert, morgen ist Rock-Festival und Sonntag werden endlich mal die Rinderhaelften auf den Grill geworfen:-)!

Schoenes Wochenende Euch allen, ich denke an Euch,

LG Pati

Mittwoch, Oktober 18, 2006

und noch ein paar Bilder....




war am Sonntag abend im theater, was wunderschoen und antik ist, trptzdem aber einen gewissen morbiden Charme hat, da es an allen Ecken etwas zu broeckeln und blaettern beginnt.. Gefaellt mir sehr!
Habe mir eine Ballettauffuehrung angesehen, die die wichtigsten Taenze Argentiniens vereint, z.B. die Rumba, natuerlich den Tango, Folklore und die Taenze der Gauchos, die den Taenzen der Kosaken aehnlich sind und unglaublich schnelle Bewegungen beinhalten.
Ich bin wirklich sehr sehr beeindruckt von der Tanzkunst und dem Anmut der Taenze...

Auch das Publikum reagierte ganz anders als das gesetzte deutsche Publikum im Theater oder Ballett. Andauernd sprangen waehrend der Vorstellung Leute vor Begeisterung von ihren Sitzen auf und applaudierten und riefen lauthals "Bravo!", tanzten mit bei besonders temperamentvollen Rhytmen und liessen das ueberschaeumende Temperamten raus. Zum Schluss holten die Taenzer einige Zuschauer auf die Buehne, da ich ja aber schon internationale Erfahrung (:-)! gell Jane:-)?) mit derartigen Einladungen zum Tanzen habe, bemuehte ich mich, moeglichst unbeteiligt und unwissend in meiner Handtasche zu kramen und blieb dieses Mal verschont!:-)...

Fotos vom Trekking-Ausflug in die Sierras

das sind sie also, die Kondore...





mehr Fotos von Cordoba....







Hier auch endlich nun die Bilder aus Cordoba fuer den ersten Eindruck:








Dienstag, Oktober 17, 2006

Heute mal etwas laenger..

Hallo Ihr Lieben,

da am Sonntag und Montag hier Feiertag war (Muttertag und Tag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus) und ich demnach am Wochenende leider keinen zureichenden Zugang zum Internet hatte, schreibe ich euch heute mal ein bisschen mehr, um sozusagen aufzuholen.:-)

Seit dem letzten Wochenende habe ich schon wieder sehr viel erlebt und natuerlich sehr viel Spanisch gelernt.

Mein Unterricht:
Ich habe zusammen mit Thomas, einem anderen Studenten aus Deutschland, Montag - Freitag Sprachunterricht, wobei wir immer von 9-12 Uhr Grammatik –Unterricht bei Romina (Spanischlehrerin) zu Hause haben, dann ist eine Stunde Pause und dann gibt’s noch 1,5 Stunden „Extraclase“, d.h. Di und Do gibt’s Konversationstraining bei Fernanda (andere Spanischlehrerin) zu Hause, wo wir uns ueber alles Moegliche unterhalten, z.B: Geschichte Argentiniens, kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Argentinien, Musik, Sport etc. Mo, Mi und Fr haben wir Extraclase mit Sol (noch ne andere Spanischlehrerin), mit ihr treffen wir uns immer im Park und bekommen dann eine Aufgabe, z.B. jemanden auf der Straße nach dem Weg fragen, Informationen bei der Post einholen, sich mit den Damen in der Touristeninformation unterhalten etc. Wir bereiten immer erst die Aufgabe mit Vokabeln und Saetzen vor und dann werden wir auf die Bevoelkerung losgelassen und versuchen radebrechend, das Erhoffte zu erfahren. Gar nicht so einfach, kostet auch oft Ueberwindung, aber es hilft mir ungemein, die Scheu vor dem Sprechen, vor allem mit Fremden, zu verlieren. Die Fortschritte die ich in den letzten 2 Wochen gemacht habe sind wirklich ueberhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was ein Sprachkurs in Deutschland bieten kann, ich bin echt erstaunt! Trotzdem bin ich natuerlich noch nicht zufrieden und will noch mehr wissen und vor allem fluessiger sprechen koennen, oft fehlen mir noch die Worte, um eine Geschichte zu erzaehlen oder eine intensivere Diskussion zu fuehren, aber ich bin auch sehr stolz auf mich, habe bis jetzt alles eingekauft und erfragt, und habe auch immer das bekommen, was ich wollte!:-)

Die WG:
Und auch mit meinen Mitbewohnerinnen kann ich mich einigermaßen verstaendigen, es wird auf jeden Fall von Tag zu Tag besser. Ich wohne hier mit 3 Maedels zusammen, alles so Anfang, Mitte 20, Teresita studiert Psychologie, Laurie arbeitet in einem Sportgeschaeft und Patricia (noch eine!) arbeitet in einem Sushi-Restaurant. Sie sind unglaublich nett und aufgeschlossen, wobei ich inzwischen miterlebt habe, dass das hier keine Ausnahme ist, die Cordobesen (Leute aus Cordoba) sind allgemein sehr sehr nett, hilfsbereit, freundlich und herzlich. Letzte Woche musste ich den Maedels Bilder aus Deutschland zeigen und sie waren total begeistert vom schoenen Pfaelzer Wald, den Alpen, den Bildern aus Dresden und Berlin und vor allem von den deutschen Jungs (meinen Bruder haette ich bis jetzt ungesehen schon mehrfach in argentinische Haende vergeben koennen, zumindest wenn’s nach meinen Mitbewohnerinnen geht, aber auch alle anderen maennlichen Geschoepfe aus meinem Freundes- und Familienkreis wurden intensiv bewundert und fuer SEHR huebsch befunden:-)! Ich wusste nicht, dass Argentinierinnen so auf deutsche Maenner stehen!).

Sonstiges:
Letzten Sonntag habe ich mit Teresita bei den Nachbarn (die Kabelfernsehen haben) Fussball geschaut, das Topspiel der Saison: River Plate gegen Boca Juniors. Sehr anders als bei uns! Also, ich bin ja kein Fussballspezialist, aber das Spiel unterschied sich doch deutlich von einem Bundesliga-Spiel bei uns. Viel weniger Spielaufbau und Taktik, dafuer mehr Gehacke und Gedresche als bei uns! Und natuerlich viel viel Zeit, die draufging, um Verletzte oder nur-warscheinlich-Verletzte vom Spielfeld zu tragen, zu diskutieren und zu simulieren! Sehr anders! Und unglaubliche Mengen von Klopapierrollen, Papierschnipseln, Konfetti und Anderem auf dem Spielfeld, manchmal war das Spielfeld mehr weiss als gruen! Und alle 5 Minuten Werbung waehrend dem Spiel, die den halben Bildschirm bedeckt! Aber war spannend, das zu sehen, vor allem weil die Gefuehle fuer Fussball hier eh’ sehr schnell hochkochen, das Temperament schaeumt da schon mal ueber…

Am Freitag war ich mit einigen anderen Studenten wieder beim Tangotanzen, hat Spaß gemacht, wenn’s auch schwierig ist, vor allem fuer mich, die ich mich doch gar nicht so gerne fuehren lasse;-). Aber ich geb nicht auf!


Samstag:
Am Samstag habe ich dann an einer Trekking-Exkursion in die Berge von Cordoba teilgenommen und bin den ganzen Tag mit einer Gruppe von 15 Leuten (inkl. original Sylvester-Stallone-Look-a-like-Guide) durch den Nationalpark „Quebrada de Condorito“ gewandert. Es war ein Traum! Wir sind morgens um 7 hier mit dem Bus losgefahren, nach 2 Stunden in den Bergen angekommen und dann einen Rundweg gewandert bis um 5 Uhr nachmittags (ca. 23 km – gefuehlte 50). Die Besonderheit dieses Nationalparks sind die dort lebenden Condore, die dort in einer Schlucht nisten und voellig unberuehrt und vom Menschen unbelaestigt leben. Wir konnten von einem Felsvorsprung diese wunderschoenen und wirklich atemberaubend majestaetischen Riesen beim Fliegen und Kreisen beobachten, ich war wirklich sehr beeindruckt. Vor allem gibt es in diesem „Park“ keinerlei Autos, und außer den Wegmarkierungen keine Spur von Menschen und man ist dort wirklich zu Gast bei den Tieren. Abends bin ich sehr erschoepft, braungebrannt und gluecklich zurueckgekommen und totmuede ins Bett gefallen.
Hier einige Bilder, fuer den ersten Eindruck:


Cordoba:
Damit Ihr Euch ein bisschen vorstellen koennt, wie es hier aussieht, bin ich die letzten Tage auf Fototour gegangen und werde euch ein wenig ueber Cordoba schreiben: Cordoba liegt ca. 800 km westlich von Buenos Aires und hat ca. 1,3 Mio. Einwohner, die sich selbst Cordobesen nennen. Die Stadt lebt vor allem von der hier ansaessigen Autoindustrie (Ford, VW u.a.), die grosse Fabriken am Stadtrand unterhalten.
Charakteristisch fuer die Stadt sind jedoch die vielen Studenten, die an einer der 7 hier ansaessigen (uebrigens aeltesten) Universitaeten Argentiniens studieren. Das Viertel in dem ich derzeit lebe heisst Nueva Cordoba und wird fast ausschliesslich von Studenten bewohnt. Man spuert das auch deutlich, da hier viele junge Leute unterwegs sind, es unglaublich viele Cafes, Kneipen, Diskos und Internetcafes gibt und Tag und Nacht die Strassen bevoelkert sind. Von unserem Haus sind es zu Fuss etwa 15 Minuten bis zum zentralen Platz der Stadt, der „Plaza San Martin“. Sich zu orientieren faellt hier sehr einfach, denn alle Staedte in Argentinien sind rasterfoermig anlegt, aehnlich den „Quadraten“ in Mannheim oder den Stadtplaenen in New York etc. Daher ist es wirklich einfach, sich von Anfang an zurechtzufinden und die Gefahr, dass man sich verlaeuft ist sehr gering.
Cordoba ist ausserdem bekannt fuer seine wunderschoenen Bauten im Kolonialstil, die ueber das ganze Stadtzentrum verteilt sind. Touristen gibt es hier leider nicht sehr viele, die Fuelle an Sehenswuerdigkeiten in der Umgebung ist warscheinlich zu gross und viele Toursiten fahren hier vorbei, ohne sich die Stadt naeher zu betrachten. Die Hauptattraktion der Stadt ist das Jesuitenviertel, das sich direkt im Zentrum befindet und aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die Jesuiten hatten sich im Zuge der Kolonialisierung durch Spanien hier im ganzen Land verteilt niedergelassen und wunderschoene Bauten hinterlassen, bevor sie vertrieben wurden. Eine Unzahl an Kirchen, Museen, historischen Plaetzen und Haeusern etc. machen die Stadt wirklich sehr sehenswert. Bemerkenswert finde ich die Mischung aus morbiden, renovierungsbeduerftigen, alten Haeusern, den unzaehligen Baustellen und daneben supermodernen und neuen Gebaeuden.
Ausserhalb des Stadtzentrums – was ich ungefaher mit der Groesse des Zentrums von Ulm oder Mannheim vergleichen wuerde – liegen unzaehlige „Barrios“ (=Stadtteile), aber auch „Villas“ (= Armenviertel), letztere sind warscheinlich mit den Favellas in Brasilien zu vergleichen.
Der Unterschied zwischen arm und reich ist auch hier sehr krass, vor allem finde ich fuer mich sehr befremdlich, mit welcher Selbstverstaendlichkeit darueber gesprochen wird, und wie offensichtlich viele Leute der „Mittel-„ oder Oberschicht darauf bedacht sind, den Unterschied zwischen sich und den „Armen“ deutlich zu machen, mir haben schon viele Leute Dinge gesagt wie z.B.: „das ist Musik der Unterschicht“ oder „Das sagen nur ungebildete, arme Leute“ etc. Man ist das glaube ich nicht sehr gewoehnt vom auf Ausgleich bedachten Europa. Es gibt hier viele Menschen, die auf der Strasse leben, viele auch mit kleinen Kindern, die abends auf der Strasse Muell sammeln gehen, um diesen dann an die Muellverbrennungsanlagen oder andere weiterzuverkaufen. Mir bricht das Herz, wenn ich das schreibe und vor allem, wenn ich es sehe. Doch auch das gehoert zum Alltag hier dazu, und ich denke, in Buenos Aires wird mir das noch intensiver begegnen. Die Auswirkungen der Krise von 2001 sind immer noch deutlich zu spueren, viele viele Menschen verloren damals ihre gesamte Existenz und die Angst und Unsicherheit bei den Menschen vor der wirtschaftlichen Instabilitaet und der Korruption der Politik sind staendiges Thema und deutlich zu spueren.
Doch nicht nur das, vor allem der Stolz der Argentinier auf ihr Land und ihre Kultur sind sehr praesent und vor allem der „Machismo“, der den Umgang zwischen Maennern und Frauen praegt, ist fuer mich total ungewohnt. Inzwischen irritieren mich die Kommentare der Maenner auf der Strasse nicht mehr, auch an die Pfiffe einzelner oberkoerperfreier Maenner vom Balkon des 5. Stocks (;-)) habe ich mich gewoehnt und ignoriere sie, wie alle anderen Frauen das hier tun. Es ist eben die uebliche Art, Frauen ein Kompliment zu machen und als solches betrachte ich es auch.

So, Schluss fuer heute, ist doch ein bisschen laenger geworden, als gedacht, aber ich hoffe, Euch damit einen kleinen ersten Einblick zu geben, und euch nicht zu sehr damit zu langweilen – bald mehr…

Liebe Gruesse an Euch, ich denke an Euch,

Eure Pati